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Am vergangenen Wochenende fand in Leipzig das erste Sattelsymposium im Veterinär  Anatomischen Institut statt. Am echten Präparat haben über 50 Teilnehmer, darunter auch mehrere Euroriding-Fachgeschäfte und -Sattler, geforscht, welchen Einfluss Kopfeisen und Ortspitzen des Sattelbaumes nun wirklich auf die unterschiedlichen Muskeln und Knorpel haben.
Die Erkenntnisse waren speziell in Bezug auf den Schulterknorpel teilweise überraschend. Jetzt gilt es, dieses Wissen in die Produktion der Sättel und das Anpassen einzubringen.

 

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Fortbildung der

Sattel-Experten

auf der

Reitanlage May in Selm

 

 

Eine geballte Ladung Fachkompetenz fand sich am 24. und 25.
September 2011 auf der Reitanlage May in Selm ein, um an einer Weiterbildungsmaßnahme der Euroriding - Gruppe zum Thema Sattelanpassung und Sattelvermessung teilzunehmen. Rund 35 Fachleute aus dem gesamten Bundesgebiet und den Niederlanden waren der Einladung zu diesem Seminar gefolgt, welches unter der Federführung von Petra Greskamp und ihrem Team

von M + B Pferdesport in Selm organisiert wurde.

 

 

Sattlermeister und Reitsportfachhändler hatten sich auf den Weg gemacht ins nordrhein-westfälische Selm, um ihr Fachwissen durch eine Qualifizierungsmaßnahme aufzufrischen und sich über die neusten Methoden und Techniken bei der Sattelanpassung zu informieren. Hierfür reisten sie beispielsweise aus Erfurt, Hof, Kaiserslautern, Dresden, Bremen und Drunen (NL) an. Zwei Teilnehmer nahmen eine Anfahrt von über 600 km in Kauf, um diese Weiterbildung zu besuchen.

 

Gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Euroriding – Gruppe,
Matthias Raschert , konnte Petra Greskamp bei schönstem Spätsommerwetter die
Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer, die sich bei ihrer tagtäglichen Arbeit
mit der Problematik des Pferderückens und der Sattelanprobe beschäftigen, auf
der Reitanlage May in Selm begrüßen. Das Bündeln und Auffrischen von
Fachwissen, der Austausch von Erfahrungen und Informationen und die Nutzung von
Synergieeffekten waren die ausschlaggebenden Kriterien zur Durchführung dieser
Veranstaltung.

 

Den Anfang machte am Samstag ein theoretischer Teil zur
Anatomie des Pferdes. Hierzu hatte man als Expertin Frau Dr. Hilde Skowronek,
Fachtierärztin für Pferde an der Tierklinik Telgte und Mannschaftstierärztin
für die deutsche Ponymannschaft gewinnen können.

Frau Dr. Skowronek gab einen ausführlichen Überblick über
den Bewegungsapparat des Pferdes und die Themenbereiche Skelett und Muskulatur.
Sie ging ein auf unterschiedliche Reitweisen und die sportlichen Anforderungen
sowie auf das Gebäude des Pferdes und den Reiter an sich als grundlegende Kriterien, die bei der Sattelwahl und – anpassung eine wichtige Rolle spielen. Mit der
Frage „Wo sitzt der Reiter? “ und der Darstellung der Körperregionen des Pferdes,
die durch das Reiten und den Sattel beansprucht werden, machte sie deutlich,
wie wichtig eine gute Sattelanpassung zur Gesunderhaltung des Pferdes ist. Dies
erfordert fundierte Fachkenntnisse des Sattlers über den Körperbau des Pferdes
und über mögliche körperliche Veränderungen des Pferdes, die Einfluss auf die
Sattellage haben können. Dem rund zweistündigen theoretischen Vortrag zur
Anatomie schloss sich die Demonstration am lebenden Objekt an. Hier konnten einige von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mitgebrachte Sättel aufgelegt,
begutachtet und beurteilt werden. Es wurde fleißig gefachsimpelt und zum Teil
kontrovers diskutiert. Das durch Frau Dr. Skowronek aufgefrischte Fachwissen
brachte an der einen oder anderen Stelle einen Aha-Effekt und auch die
Erkenntnis, dass fundiertes Fachwissen über die Anatomie und Physiologie des
Pferdes unerlässlich sind zur Beurteilung der Sattellage.

 

Im vergangenen Jahr hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung
(FN) ein einheitliches Messsystem nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten
verbindlich eingeführt. Mit beteiligt an der Entwicklung dieses Messsystem sind
Thomas Büttner und Frank Peter. Thomas Büttner ist Sattlermeister und Gutachter
und Mitglied im Bundesverband Fahrzeugausstattung und Reitsportausrüstung
(BVFR). Darüber hinaus ist er tätig als Referent und Prüfer bei der FN in
Warendorf. Sein Kollege Frank Peter ist Sattlermeister, vereidigter
Sachverständiger und Mitglied der Society of Mastersaddlers. Diese beiden
Sattel-Experten waren am Sonntag als Referenten geladen.

 

Sie stellten das von ihnen mitentwickelte einheitliche Sattel-Messsystem
vor. Anhand einer Messmatrix werden 24 Punkte am Pferderücken über 4 Messlinien
ermittelt. Die ermittelten Daten werden in einem Aufnahmeprotokoll
dokumentiert. Dieses Protokoll soll dem Sattelbeurteiler als Nachweis über den
Zustand der Sattellage des Pferdes bei der Sattelübergabe dienen und bietet
somit dem Beurteiler eine Rechtssicherheit.

Durch den Einsatz von Messhilfen in Form von flexiblen Messstäben oder Biegelinealen sowie Wasserwaage oder Schlauchwaage können die
Punkte mit einfachen Mitteln am Pferderücken aufgenommen werden und in die
Matrix übertragen werden. Hierdurch wird die Verständigung zwischen demjenigen,
der den Sattel vermisst und dem Sattelhersteller deutlich verbessert. Wichtig
bei der Entwicklung dieser neuen Vorgehensweise war eine Systematik und
Vereinfachung der Messung, so dass eine effektive und zielorientierte Methode
zur Sattelanpassung auf den Weg gebracht werden konnte. Durch die Standardisierung von Maßen können Fehler deutlich minimiert werden. Das neue Messsystem soll dazu beitragen, dass Sättel zukünftig viel genauer angepasst werden können und nicht so häufig nachbearbeitet werden müssen.

Auch die Sattelindustrie hat bereits Interesse an dieser
neuen Herangehensweise bekundet. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN)
bietet Lehrgänge zur Zusatzqualifikation als Sattelbeurteiler nach dieser
verbindlich eingeführten Messmethode an.

 

Nach der Vorstellung der neuen Methode konnten alle
Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter fachkundiger Anleitung von Thomas Büttner
und Frank Peter selbst einmal einen Sattel vermessen und die Angaben in die
Matrix übertragen.

 

Text : Anette Herter



 

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